Interview mit Cheftrainer Robert Simon (28.08.2025)

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Interview mit Cheftrainer Robert Simon (28.08.2025)

Gespräch mit dem neuen Cheftrainer ROBERT SIMON (28.08.2025)

K.D.: Herzlichen Dank, lieber Robert, dass es so spontan mit unserem Gespräch geklappt hat – nach so einer langen Zeit!

K.D.: Seit wann bist du wieder in der Oberlausitz und was hast du gemacht?

R.S.: Wir sind vor zwei Jahren in die Heimat zurückgekehrt. Zuvor waren wir bis 2018 in München, danach bis 2023 in Dresden.
Meine erste Station nach der Rückkehr war der FCO Neugersdorf, die mir ermöglichten, wieder Fuß zu fassen – sportlich wie beruflich. Dort war ich zunächst als Sportlicher Leiter, später dann als Trainer der Landesliga-Mannschaft tätig.
Seit dem 1. Juli 2024 bin ich wieder bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien im Bereich Digitale Medien und Prozesse tätig. In den letzten zwölf Monaten habe ich eine „Fußball-Pause“ eingelegt und war nur als Schiedsrichter unterwegs.


K.D.: Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit mit dem VfB gekommen?

R.S.: Kontakt und Gespräche mit dem VfB, speziell mit Steffen Tille, gab es immer wieder. Konkreter wurde es dann im Frühjahr. Schließlich bin ich seit dem 1. Juli 2025 Trainer der Herrenmannschaft des VfB Zittau.


K.D.: Dein Werdegang war sehr beachtlich (bitte korrigiere mich, wenn ich etwas falsch darstelle). Sportlich aufgewachsen bist du unter anderem in Berlin bei Union Berlin. Dann ging es zur Armee nach Löbau, wo du bei Vorwärts auch Fußball gespielt hast. Nach Beendigung der Armeezeit 1989 bist du in Zittau geblieben. Hier hattest du eine erfolgreiche und schöne Zeit. 1998 folgte ein kurzes Gastspiel beim Dresdner SC unter Matthias Müller. Die Rahmenbedingungen haben nicht richtig gepasst, deshalb bist du anschließend zum FCO Neugersdorf gewechselt.
2000 bist du mit deiner Frau beruflich nach Leipzig gegangen, hast dort bei Lok Leipzig (damals VfB Leipzig) gespielt und später zwei Jahre in Markranstädt. 2003 folgte ein Auslandsaufenthalt in Spanien, ehe du 2004 kurzzeitig nach Zittau zurückkamst – als Spieler-Trainer der 1. Männer.
Im April 2004 bist du beruflich nach München gegangen. Nebenberuflich hast du im Winter 2004/2005 die Möglichkeit bekommen, als Jugendtrainer bei 1860 München zu arbeiten. Ab 2012 konntest du hauptberuflich als Nachwuchstrainer und später als Chef-Scout im Nachwuchsbereich tätig sein. 2018 ergab sich dann die Chance, zu Dynamo Dresden zu wechseln. 2023 ging es zurück zum FCO, und nach einem Jahr Pause nun der Schritt zum VfB – stimmt das so?

R.S.: Ja, das stimmt – du hast sehr gut recherchiert (lacht). Hier beim VfB, damals noch Robur, hat 1989 für mich alles begonnen, und nun schließt sich der Kreis. Ich freue mich sehr, dass mit Steffen Tille und Ladislav Sorm auch zwei Weggefährten von damals wieder mit dabei sind.


K.D.: Nun zur 1. Mannschaft: Gibt es Neuverpflichtungen? Bist du mit dem Leistungsprofil zufrieden? Die Vorbereitung läuft ja gerade aus.

R.S.: Die Voraussetzungen hier sind andere. Ich war viele Jahre im professionellen Fußball unterwegs, jetzt ist es Amateursport. Beide Seiten benötigen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen.
Der Wechsel zum FCO Neugersdorf vor zwei Jahren war für mich ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung. Der VfB spielt aktuell in der Kreisoberliga, und da muss man Dinge einfach anders betrachten. Viele Ehrenamtliche haben dem VfB neues Leben eingehaucht – das war für mich auch entscheidend, um den Verein zu unterstützen.
Ich freue mich, mit motivierten Spielern und Verantwortlichen zu arbeiten und etwas aufzubauen. Das Weinau-Stadion und die Umgebung sind hervorragende Voraussetzungen, die man nicht überall findet.
Natürlich ist es Amateursport, das ist mir bewusst. Die Vorbereitung verlief sehr durchwachsen. Vieles war ungewohnt und neu für mich. Zum ersten Pokalspiel standen zum Beispiel nur 13 Spieler zur Verfügung – aber die Jungs haben das am Ende sehr gut gemacht.
Potenzial ist zweifellos vorhanden, und das zeigt sich regelmäßig im Training. Die Beteiligung ist inzwischen sehr erfreulich und erleichtert die Arbeit des Trainerteams deutlich. Zwei Einheiten pro Woche sind nicht viel, aber es geht nun einmal nicht anders, und das muss man akzeptieren. Einige Neuverpflichtungen, die die Mannschaft verstärken, haben wir bereits getätigt.


K.D.: Wie hast du die Mannschaft vorgefunden?

R.S.: Was Maxe Tille in den letzten Jahren gemeinsam mit der Mannschaft aufgebaut hat, verdient meinen größten Respekt – ebenso wie die Arbeit aller Helfer und Unterstützer neben dem Platz.
Mit Ladi habe ich jetzt ein eigenes Trainerzimmer, die Mannschaft hat ihre Kabine. Jeder hat also sein „eigenes Reich“.
Im Trainerteam haben wir die Rahmenbedingungen abgesteckt, jeder weiß, wie wir gemeinsam arbeiten wollen. Auf dem Platz möchte ich den Spielern neben Spaß und Freude auch inhaltlich einiges mitgeben. Wichtig ist, dass sich die Jungs auf das nächste Training freuen.


K.D.: Du hast hier alles neu vorgefunden. Nur vier Leute vom alten Stamm sind noch aktiv dabei. Welche sind das?

R.S.: Mir sind noch bekannt: Holger Handschick, Mirko Albert, Maxe Tille – und natürlich du!

K.D.: Ich bin ja auch schon 61 Jahre und seit über 40 Jahren ehrenamtlich im Verein tätig.

R.S.: Großartig – 40 Jahre für einen Verein da gewesen zu sein? Meinen Respekt, Karsten.


K.D.: Für die neue Saison hast du Veränderungen angekündigt. Es heißt, du hättest einen Strafenkatalog eingeführt?

R.S.: Nein, den gab es schon, und da will ich mich auch nicht einmischen. Das muss die Mannschaft selbst klären und Verantwortung übernehmen. Einzig das Thema Schiedsrichter habe ich angesprochen. Als Schiedsrichter weiß ich, wie schwer es ist, innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen. Für mich gilt: Alle Entscheidungen sind ohne Wenn und Aber zu akzeptieren.


K.D.: Du hast viel Erfahrung bei deinen Stationen gesammelt. Was ist dir wichtig?

R.S.: Das Wichtigste ist, seinen Mitmenschen mit Respekt und Demut zu begegnen. Ansonsten werden wir versuchen, menschlich wie sportlich positiven Einfluss auf das Team zu haben.


K.D.: Die großen Ziele mit Zittau – wie sehen die aus?

R.S.: Über den Fußball in Zittau soll wieder gesprochen werden, und wir wollen mehr Zuschauer in die schöne Weinau locken. Dafür braucht es Geduld, Ausdauer und das Engagement vieler Helfer und Unterstützer.


K.D.: Wie groß ist der Kader? Sind Spieler der 2. Mannschaft mit dabei?

R.S.: Aktuell sind es auf dem Papier 24 Spieler. Die Jungs aus unserer 2. Mannschaft möchte ich mir in Zukunft auch öfter anschauen – im Spiel und im Training. Bisher war die Zeit dafür einfach nicht vorhanden. Aber die Kommunikation mit den Verantwortlichen der Spielgemeinschaft ist sehr gut.


K.D.: Das war’s. Die Fans wünschen dir und der Mannschaft viel Erfolg.

R.S.: Vielen Dank. Aber was ist eigentlich Erfolg? Am Ende zählen nur das Ergebnis und die Tabelle – die lügt nicht. Für mich ist jedoch entscheidend, dass die Jungs Lust auf Fußball haben, dass sie sich mit dem VfB identifizieren und gewinnen wollen. Wofür es in dieser Saison reicht, werden wir sehen. Gute Arbeit wird belohnt – manchmal dauert es aber etwas.


K.D.: Vielen Dank, lieber Robert, für das ausführliche Gespräch – und einen guten Start in die neue Fußballserie 2025/26 in der Kreisoberliga Oberlausitz!

gez. K. Dutschke (28.08.2025)